Wie sehr die aktuelle Lage in Europa und der Welt den Menschen auf den Nägel brennt, zeigte die hohe Teilnehmerzahl an der Veranstaltung der Senioren Union im Café Profittlich, die Dr. Norbert Röttgen, als gefragten außenpolitische Experte eingeladen hatte. Mit seiner präzisen Analyse der aktuellen Lage verdeutlichte Röttgen die neuralgischen Punkte der großen weltpolitischen Herausforderungen. Er machte keinen Hehl aus seiner Überzeugung, dass Europa die Ukraine unterstützen muss, da Putin den absoluten Vernichtungswillen besitzt und keinerlei Anzeichen von Friedensbereitschaft erkennen lässt und in seinem Expansionswillen auch Europa insgesamt bedroht. Röttgen verwies darauf, dass wir in Europa und besonders in Deutschland bereits tagtäglich Cyberattacken und Anschläge auf unsere Infrastruktur erleben. Insofern befänden wir uns im Krieg mit Russland; er warnte aber eindringlich davor, die Ukraine mit Soldaten zu unterstützen. Bei allem ist der Verlust in der russischen Wirtschaft und der Verlust von Menschenleben in Russland gewaltig.
Das weitere Problem ist Trump, dessen erratische Führung zweifeln lässt, inwieweit er Europa unterstützen will. Ein Lichtblick sei, dass Amerika immer wieder die Schiffe der russischen Schattenflotte aufbringe, an dem sich Europa ein Beispiel nehmen solle. Röttgen betonte, dass er in Gesprächen mit amerikanischen Senatoren keinerlei Zweifel an der NATO herausgehört habe. Aus den Gesprächen heraus entsteht die Überzeugung, dass Trump den Zenit seiner Macht überschritten habe. Eine Unwägbarkeit mehr ist die von Trump produzierte Atmosphäre der Angst. Sich ihm entgegenzustellen kann die Existenz bedrohen. Ein weiteres Problem ist die Ungewissheit mit den konservativen von Trump ernannten Bundesrichtern: Gibt es Gefälligkeitsurteile in Trumps Sinne oder halten sie sich an amerikanische Gesetze.
Das bedrückendes Fazit des Nachmittags ist, dass die Situation in der Welt zurzeit nicht zum Guten steht. Europa wird sowohl von Russland als auch von Trumps USA in die Zange genommen, beide haben ein großes Interesse daran, Europa zu schwächen. Bedenklich ist, dass sich die AfD in allen Positionen die russische Sicht zu eigen macht und sich den amerikanischen Europa-Zerstörern anbiedert. Röttgen schließt mit dem Appell, dass Europa sich sein eignes Gewicht erschaffen muss, um nicht zwischen den Großmächten zerrieben zu werden. Oder anders gesagt: Sind wir Koch oder stehen wir auf der Speisekarte?
Am Ende der Veranstaltung überraschte das Aegidienberger Prinzenpaar, Michael I. und
Aegidia Daniela I. (Daniela Ratajczak, Mitglied des Kreistags CDU) mit ihrem Besuch.

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